Corps-Rheno-Palatia


Das Corpsstudententum

Wer sind die Corps?

Corps sind eine Gemeinschaft von jungen Studenten und Akademikern unterschiedlichster Herkunft und verschiedenster Fachrichtungen und Berufe. Es bestehen zur Zeit mehr als 160 Corps in 50 Universitätsorten in der gesamten Bundesrepublik und Österreich. In unserer Gemeinschaft wird die Freundschaft und der Kontakt über das Studium hinaus auf Lebenszeit gepflegt, die Familien gehören selbstverständlich dazu. Zentrum des Corpslebens ist das Corpshaus, das eine "Bude" für den jungen Corpsbruder bietet wie auch ein Anlaufpunkt für den "Alten Herren" ist.

Woher kommen die Corps?

Die Corps gehören zu der großen Gruppe der Studentenverbindungen. Diese entwickelten sich bereits im 17. und 18. Jh. aus dem Bedürfnis heraus, sich in den damaligen Universitäten, die weit von der Heimat entfernt lagen, gegenseitig zu unterstützen. Die Studenten aus den verschiedenen Regionen fanden sich jeweils zusammen und benannten ihre Zusammenschlüsse nach ihren Herkunftsgebieten, z.B. Rhenania oder Saxonia. Aus diesen Zusammenschlüssen entwickelten sich die Corps. Die Corps zeichnet jedoch ihre besondere geschichtliche Entwicklung aus. Die Studentenzirkel, die sich später Corps nannten, waren früh mit dem Gedankengut der Aufklärung in Kontakt gekommen, wie auch ein liberales Staatsverständnis aus ihren Reihen den Ruf nach einer Verfassung für die verschiedenen deutschen Staaten laut werden ließ. Die Corps an den Universitäten haben sich bereits 1848 zum Kösener Senioren Convents Verband -KSCV- zusammengeschlossen, die Corps an den technischen Hochschulen fanden sich im Jahre 1863 zum Weinheimer Senioren Convent -WSC- zusammen. Die Namen leiten sich von den Gründungsorten Bad Kösen und Weinheim ab. Die Corps haben sich von Beginn an zu dem Conventsprinzip bekannt, das heißt zur Entscheidungsfindung durch die Gemeinschaft der Corpsmitglieder. Aus der Mitte der jungen Studenten wird für den Verlauf eines Semesters ein dreiköpfiges Präsidium gewählt, das den übrigen Mitgliedern gegenüber für das Geschehen im Corps verantwortlich ist. Die Corps gehören zu den Verbindungen, deren Mitglieder eine Mensur fechten. Die Mensur wird nach festen Regeln ausgetragen, die einen fairen Verlauf der Partie gewährleisten. Dies hat nichts mit dem Austragen von Duellen oder Ehrenhändeln zu tun.

Wer war und ist Corpsstudent?

Voraussetzung, um Corpsstudent zu werden, war und ist in erster Linie das Studium an einer Universität oder Hochschule. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg war die Mitgliedschaft entgegen vieler Publikationen nicht den besseren Kreisen vorbehalten, jedoch war es nicht vielen möglich, ein Studium an einer Universität in einer anderen Stadt aufzunehmen. Die Corpsstudenten waren und sind keine Standesvereinigung oder eine privilegierte Gruppen. Dieses und die praktizierte Toleranz dokumentieren sich in der Zusammensetzung der Corps seit ihrer Gründung.

Bekannte Corpsstudenten in Politik und Wirtschaft

  • Otto v. Bismarck (1815-1898)
  • Wilhelm Liebknecht, der Gründer des Vorwärts, der ehemaligen Parteizeitung der SPD (1826-1900)
  • Wilhelm Emanuel Frh. v. Ketteler Bischof v. Mainz (1811-1877)
  • König Konstantin von Griechenland (1868-1923)
  • Wilhelm II, von Hohenzollern(1859-1941)
  • Max Prinz v. Baden (1867-1929) Reichskanzler
  • Georg Diederichs (1900-1983) Minpräs. v. Niedersachsen, SPD
  • Hans Friederichs, FDP
  • Dieter Wellershof, Admiral a.D.Wellershof, Generalinspekteur a.D.
  • Hanns-Martin Schleyer Arbeitgeberpräsident
  • Dr. Alfred Herrhausen, Deutsche Bank
  • Franz und Louis Haniel, Hanielkonzern /Gutehoffnungshütte
  • Manfred Kanther, CDU, Bundesinnenminister
  • Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, FDP, Bundesjustizminister

Bekannte Corpsstudenten in Wissenschaft und Forschung

  • Ludwig Enneccerus BGB Mitarbeiter(1843-1928)
  • Wilhelm Blos (1849 1927) Journalist und Historiker
  • Karl Ferd. Braun, (Braun`sche Röhre); Behring, Chemiker (1854-1917)
  • Hans Bredow, Mitbegründer des deutschen Rundfunks
  • Friedrich Schott, Chemiker und Glastechniker
  • Gottlieb Daimler und Wilhelm v. Opel, Automobilbau
  • Fritz Henkel, Erfinder von Persil
  • Hugo Junkers und Claudius Dornier, Flugzeugbauer
  • Franz Böhm, Freiburger Schule (1895-1977)
  • Justus Liebig Agriculturchemie (1803-1873)

Bekannte Corpsstudenten in Literatur und Kunst

  • Heinrich Hoffmann (1809-1894) "Der Struwelpeter"
  • Theodor Koch (1905-1983) Schöpfer von Kumpel Anton
  • Theodor Körner (1791-1813.) Dichter und Freiheitskämpfer
  • Robert Schumann Komponist (1810-1856)
  • Ludwig Thoma, Herausgeber des Simplicissimus (1867-1921)

Die Mensur

Bei einer Mensur stehen sich zwei Angehörige verschiedener Studentenverbindungen gegenüber, die in der Regel eine ähnliche körperliche Konstitution besitzen und ein vergleichbares fechterisches Können aufweisen. Dies Verfahren dient dem Schutz der "Paukanten" und dem Niveau der auszutragenden Bestimmungsmensur. Die Paukanten sind einem Regelwerk unterworfen, nach dem nur bestimmte Hiebe erlaubt sind. Die Paukanten und die Verbindungen wissen so, welche Hiebe möglich sind und können sich dem entsprechend auf Deckungsbewegungen vorbereiten. Die Mensur erfüllt verschiedene Funktionen: Sie dient der Erziehung zur Selbstbeherrschung in Extremsituationen und bildet für die Corps mit ihrer außergewöhnlichen Mitgliederzusammensetzung den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Mitgliedern. Sie verbindet die Corpsmitglieder, sie ist Zeichen der Zugehörigkeit und fördert letztlich die Bereitschaft zum Einste hen für das jeweilige Corps.

Projekte

Die Corpsverbände fördern zahlreiche Institutionen, die im Zusammenhang zu Universität und Studium stehen. Es werden Studentenwohnheime und ein Seminarprogramm unterhalten. Der Stifterverband der Corpsstudenten zeichnet Studenten, die herausragende Studienleistungen neben vorbildlichem Einsatz für die Gemeinschaft erbrachten, mit der von - Klingräff - Medaille aus.

© Jürgen Baden, Informationszentrale der Corpsstudenten, Oktober 1995 Hüttenstr. 45, 45888 Gelsenkirchen,Tel./FAX: 0209-144999

 

 
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